13. Mai bis 30. Juli 2023
im Stadtmuseum Saalfeld
Habermas’ geschätzter Kunstlehrer
Stadtmuseum Saalfeld widmet dem Bauhaus-Schüler Martin Jahn umfassende Werkausstellung
Sein bekanntestes Werk gilt als verschollen. Martin Jahns schön-schlichte bauchige Mokkakanne aus Bronze ist in Standardwerken über das Bauhaus zu finden. Doch nachdem sie von den Werkstätten Hellerau seinerzeit erworben wurde, verliert sich ihre Spur.
Um dennoch einen Eindruck von diesem modernen Designklassiker zu vermitteln, zeigt die Saalfelder Ausstellung „Martin Jahn: Vom Bauhaus nach Saalfeld“ein stark vergrößertes zweidimensionales Modell. Bis zum 30. Juli widmet sich die Sonderschau dem Maler und Kunsterzieher.
Geboren 1898 in Potsdam, verbringt er von 1930 von 1948 wichtige Jahre in Saalfeld: Nach Stationen als Kunsterzieher in Arnstadt und Weida findet er im Saalfelder Realgymnasium eine dauerhafte Anstellung. Auch sein Sohn Jörg-Wolfgang Jahn wird in der Saalestadt geboren. Der heute 87-Jährige bemüht sich, das Vermächtnis seines Vaters wach zu halten.
Ein Ausstellungsfokus liegt auf Saalfeld-Ansichten
Nachdem Martin Jahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin Kunsterziehung studierte, wechselte er 1920 ans Weimarer Bauhaus. Er wollte bei seinem Vorbild, dem deutsch-amerikanischen Künstler Lyonel Feininger, studieren. Seine Ausbildung absolviert er in der Metallwerkstatt. Johannes Itten, Paul Klee und László Moholy-Nagy sind seine Meister. Vor allem Itten habe ihn nachhaltig beeindruckt, sagt der Sohn. Von ihm habe der Vater auch den Hang übernommen, seine Werke unter Wert zu verkaufen.
Sohn Jörg-Wolfgang Jahn und Galeristin Kathrin Daßler sind glücklich, nach 100 Jahren erstmals wieder einen Leuchter präsentieren zu können, den Martin Jahn einst am Bauhaus als Gesellenstück anfertigte. Der Bauhaus-Schüler hatte ihn seinerzeit seinem Lehrer Itten vermacht. Dessen Erben gaben den Kerzenständer im vergangenen Jahr Jahns Sohn zurück.
Die Ausstellung ist als Retrospektive angelegt. Ein Schwerpunkt sind Martin Jahns Saalfeld-Ansichten, die er in den 30er- und 40er-Jahren schuf: Verschiedene Motive, etwa von der Johanneskirche oder dem Puschkinpark, hat er in realistischen Zeichnungen festgehalten.
Seine Gemälde aus den 60ern sind dann wieder deutlich stärker abstrahiert. Damals lebt Martin Jahn bereits seit vielen Jahren in Gummersbach östlich von Köln. Nachdem er nach dem Zweiten Krieg keine Anstellung in Saalfeld mehr fand, wechselte er durch Zuspruch aus der Verwandtschaft in den Westen. Wie schon in Thüringen verdient er auch in NordrheinWestfalen seinen Lebensunterhalt als Kunstlehrer. Mittags sei er immer erschöpft aus der Schule nach Hause gekommen, erzählt sein Sohn. Doch nach dem Mittagsschlaf habe er sich dann voller Elan in sein künstlerisches Schaffen gestürzt.
Während er über seine Arbeit als Künstler nicht viele Worte verloren habe, ist er offenbar ein begnadeter Zeichenlehrer und Kunstvermittler. Sein wohl berühmtester Schüler ist der spätere Philosoph Jürgen Habermas. Ihn unterrichtet er Ende der 40er-Jahre am Gummersbacher Gymnasium. Für Habermas ist Jahns Unterricht der „Schlüssel zur Moderne“.
Aus: Thüringische Landeszeitung | 24. Mai 2023 | Ulrike Merkel